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Jung, engagiert und ohne Planstelle

Jahresverträge: Junglehrer wie Silke Monz und Stefanie Lazarek bangen jeden Juli wieder um ihre berufliche Zukunft

Junglehrer bangen um berufliche Zukunft
Als Grundschullehrerin Stefanie Lazarek in Bürgstadt ankam, waren die Wände leer. Ein Jahr später ist ihr Klassenzimmer kunterbunt.
An der Wand hängt das Alphabet, Tigerenten wandern um die Tür, in einer Ecke stehen Getränke für das gemeinsame Frühstück. In wenigen Tagen muss die Lehrerin es wahrscheinlich wieder leer räumen und Abschied von ihren Schülern nehmen. Dann endet ihr Jahresvertrag.

Gekommen, um zu bleiben: Silke Monz (links) und Stefanie Lazarek möchten weiter an der Grundschule in Bürgstadt unterrichten. Foto: Katharina Wojczenko

Wie es nach dem Sommer weitergeht, weiß sie nicht.
Damit ist die 28-Jährige nicht allein. In diesem Schuljahr hatten in Unterfranken 235 Grundschullehrer einen Einjahresvertrag, knapp die Hälfte davon arbeiten am Untermain. Im Kreis Miltenberg geht es 65 Lehrern so.
Für Stefanie Lazarek ist die Konsequenz daraus schlicht: »Ich kann mir nichts aufbauen«. Sie ist eine fröhliche junge Frau, die mit Begeisterung über ihre Arbeit spricht. Als am letzten Tag ihres Referendariats in Kitzingen erfuhr, dass sie einen Jahresvertrag im Kreis Miltenberg bekommen hatte, dachte sie: »Ein Glücksfall«. Sie hatte sich schon auf das Übliche eingestellt: »Ich erfahre Anfang September, dass ich eine halbe Stelle in Hintertupfing bekomme.« Hier aber gefällt es ihr so gut, dass sie sogar mit ihrem Freund herziehen würde - aber nicht, wenn die berufliche Zukunft ungewiss ist.
Leben im Provisorium
Seit vergangenem Sommer wohnt sie deshalb unter der Woche in Bürgstadt, am Wochenende mit ihrem Freund in Volkach (Kreis Kitzingen). Dort lebt ein Großteil ihrer Familie, dort ist ihr Freundeskreis. In Bürgstadt Bekannte und Freunde außerhalb der Schule zu finden, war nicht einfach. Nicht nur, weil sie fremd ist. Die Berufsanfängerin unterrichtet zehn Erstklässler und zehn Zweitklässler zusammen in einer jahrgangsgemischten Klasse.
Nach dem Unterricht saß sie oft bis sieben Uhr abends in der Schule und bereitete den Stoff für die beiden Jahrgänge vor. Viel Freizeit blieb der jungen Frau nicht. Dabei würde sie sich auch gern im Verein oder politisch einbringen. »Aber ich kann mich nicht zerreißen«, hat sie gemerkt.
Diese Erfahrung hat auch ihre Kollegin Silke Monz gemacht. Nach dem Referendariat in Faulbach unterrichtete die 30-Jährige ein Jahr in Klingenberg und dieses Jahr in Bürgstadt. »Als ich meine Drittklässler in Faulbach sitzenlassen musste, hatten wir alle Tränen in den Augen.« Wie Lazarek leitet sie eine jahrgangsgemischte Klasse und wirkt in Arbeitskreisen an der Schulentwicklung mit.
»Wir sind auf dem neuesten Stand, wir bringen uns gern ein«, sagt Monz. Schon im Referendariat hat sie ihre erste Evaluation miterlebt. Als die Umsetzung begann, war sie längst weg. In Klingenberg war es ähnlich, in Bürgstadt wird es wohl wieder so sein. Über die Versetzungspolitik des Freistaats kann sie nur den Kopf schütteln.
»Unsere Kollegen, unser Schulleiter, die Eltern und die Kinder wertschätzen uns und wollen, dass wir bleiben«, sagt Monz. Nur zählt das nicht. Dabei ist es schlecht für die Kinder, wenn sie immer wieder neue Bezugspersonen bekommen. Ein wenig versteht sie die Eltern, die sich anfangs geärgert haben, dass wieder eine Junge für ein Jahr kommt.
Aber als beim Schulfrühstück jemand fragte: »Warum kriegen die Oberbayern die guten und wir hier die schlechten Lehrer?«, da musste sie schon schlucken. »Wir sagen den Eltern immer: Die Note ist nicht das, was einen Menschen ausmacht«, sagt Monz. Nur meint sie damit ihre Kinder. Ein Schnitt von 2,0 bis 2,5 sei außerdem nicht schlecht. »Wir leisten die gleiche Arbeit für weniger Geld und Ansehen«, sagt Silke Monz.
Sie hat von ihren Eltern in Wertheim ein altes Haus übernommen mit 3000 Quadratmetern Grund in der Nähe. Sie träumt von Hühnern, Enten, möchte imkern. Die Bafög-Rate wurde fällig. Das Dach müsste repariert werden, aber lohnt sich das? In zwei Jahren wird sie spätestens verbeamtet und muss wahrscheinlich nach Oberbayern, wenn es bis dahin nicht mehr Planstellen in der Region gibt. Selbst Ehe und Familie sind keine Gründe mehr, die die Versetzung verhindern.
Silke Monz ist alleinstehend. »Wenn ich jemanden kennenlerne, kann ich ihm nicht sagen, wo ich im nächsten Jahr sein werde«, sagt Monz. Sie ist abhängig von einer Zahl. Die Staatsnote bestimmt, ob sie gehen muss oder bleiben kann. »Selbst entscheiden kann man nichts - außer man geht nach Baden-Württemberg oder Hessen.«
Marian Pohly hat diesen Schritt getan. Seit Herbst 2012 unterrichtet er an der Berthold-Otto-Schule in Frankfurt. Der 28-Jährige stammt aus Würzburg. Bis zu einer festen Stelle in Bayern hätte er »drei, vier Jahre jedes Jahr wieder betteln müssen - und dann wäre die Reise wahrscheinlich erst mal nach Oberbayern gegangen«.
Vergangenen Sommer hatte er glücklich den Vertrag für ein zweites Jahr in Aschaffenburg sicher, als das Angebot mit der Beamtenstelle in Frankfurt kam. »Ich hatte ein schlechtes Gewissen, meiner Rektorin so kurzfristig abzusagen«, sagt Pohly. Aber diese riet ihm sofort zu. An seiner neuen Schule fühlt er sich wohl. »Es war die richtige Entscheidung«. Von den acht Referendaren, die damals mit Marian Pohly fertig wurden, sind mittlerweile fünf in Hessen.
Gestern um 12 Uhr ist die Entscheidung gefallen: Die Staatsnote beträgt heuer gnädige 2,22. »Ein Wahlgeschenk«, meint Silke Monz. Sie hat um Hundertstel die Beamtenstelle verfehlt und wird noch ein Jahr wohl in Unterfranken bleiben, vielleicht in Bürgstadt. Katharina Wojczenko

Hintergrund: Von der Ausbildung auf den Arbeitsmarkt

Nach der Uni folgt für die Junglehrer die zweijährige Ausbildung an einer Grundschule (Referendariat). Im ersten Jahr beobachtendie Nachwuchslehrer den Unterricht von erfahrenen Kollegen und halten selbst acht Unterrichtsstunden pro Woche. Im zweiten Jahr unterrichten sie komplett eigenverantwortlich an den drei Tagen, an denen sie nicht im Studienseminar sind - in der Regel in einer 3. Klasse. Dieser Jahrgang gilt als einfachster: Die Kinder haben die Grundfertigkeiten Lesen und Schreiben bereits gelernt und sind noch nicht im Übergangsstress der 4. Klasse, die für die Referendare nicht erlaubt ist. Daher wäre es sinnvoll, wenn der fertig ausgebildete Junglehrer als Klassleiter mit einer 3. Klasse beginnt. So haben die Kinder außerdem in der 3. und 4. Klasse dieselbe Bezugsperson. Diese Kontinuität schreibt die bayerische Lehrdienstordnung für die Jahrgangsstufen 1/2 und 3/4 vor. Dieses Prinzip hebeln Jahresverträge am bayerischen Untermain seit Jahren aus. Nur die Besten erhalten eine Beamtenstelle - und müssen dafür in der Regel nach Oberbayern gehen. Die restlichen Junglehrer werden eingesetzt, wo es brennt, meistens mit Jahresverträgen. Fünf Jahre haben sie Zeit, um die Staatsnote für eine Beamtenstelle zu erreichen. Jedes Wartejahr steigert die Chancen. Wer darauf nicht warten kann oder will, muss sich in einem anderen Bundesland umsehen. In den Landkreisen Aschaffenburg und Miltenberg wechseln deshalb häufig die Lehrer an den Grundschulen. Die Elterninitiative von Erlenbachs Elternbeiratsvorsitzenden Nicole Hartig sammelt Unterschriften zur Unterstützung der Lehrer. (Katharina Wojczenko)

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